2.5.2019 - 2.5.2024 5 Jahre Deutsches Psychotherapeuten Netzwerk

 

Die Enstehungsgeschichte eines etwas anderen Berufsverbandes:

Eigentlich wollte Dieter Adler nach 24 Jahren in eigener Praxis keinen Berufsverband gründen/berufspolitisch tätig werden. Er ärgerte sich aber so über einige Dinge, dass er zunächst einige Kolleginnen und Kollegen zusammenbrachte, die zunächst als lokale Gruppe gegen Einschränkungen in der Berufstätigkeit politisch einwirken wollten. Die kleine Gruppe wuchs und schnell gesellten sich virtuell immer mehr Mitstreiter aus anderen Regionen dazu. Daraus entstand 2017 ein Newsletter, den Adler "Freitags-Newsletter" nannte. Weil er erst freitags dazu kam, den zu schreiben. "Der Newsletter ist eigentlich mehr aus der Not entstanden, weil immer mehr Kolleginnen und Kollegen an mich Fragen stellten und ich irgendwann keine Lust mehr hatte, immer wieder die gleichen Sachen zu beantworten. Da habe ich gedacht, ich schicke es allen. Ich habe damals nicht geahnt, welche Lawine ich damit lostrete."

Denn rasant schnell wuchs die Zahl der Abonnenten rasant - Adler staunte nicht schlecht, als die Anmeldungen nach zwei Jahren die 10.000 Marke durchstieß - heute sind es etwa 13.000.
Parallel dazu hatte sich die Bonner Gruppe, nun bundesweit tätig war in "Initiative Gerechte Honorare" umbenannt, 2018 in "Kollegennetzwerk Psychotherapie" umgetauft.
Da man zwischenzeitlich bereits berufspolitisch bereits aktiv war, kam irgendwann der Beschluss, einen neuen Berufsverband zu gründen.

Der wurde am 2. Mai 2019 mit 135 Mitgliedern in Bonn gegründet.

Von da an nannte sich der Berufsverband:

Deutsches Psychotherapeuten Netzwerk
Berufs- und Interessenverband psychotherapeutisch Tätiger

Bis Ende des Jahres wuchs die Mitgliederzahl auf mehr als 1000 - heute sind es über 2300.
Der Verband wurde Deutschen Bundestag berufspolitisch anerkannt und ins Lobbyregister eingetragen.

Neben der Unterstützung von Kolleginnen und Kollegen im Praxisalltag ist für das Netzwerk die Digitalisierung. Adler: „Wir sind, auch wenn es oft behauptet wird, keine Digitalisierungsgegner. Wir sind nur gegen sinnlose Digitalisierung. Digitalisierung muss dem Menschen dienen nicht umgekehrt.“ Adler, selbst Programmierer, legt einen großen Wert auf Bedienbarkeit und Ausfallsicherheit. Über allem steht für den Verband der Datenschutz, weshalb das DPNW strikt die Speicherung psychotherapeutischer Daten auf zentralen Speichern ab. Und neuerdings setzt sich das DPNW gegen die Pflicht, Daten aus der psychotherapeutischen Behandlung in die elektronische Patientenakte zu übertragen. Adler hierzu: „Was in unseren Praxen gesagt wird, nehmen wir mit ins Grab – nicht in die Cloud!“

Das Netzwerk setzt sich auch für eine Modifizierung des Gutachterverfahrens ein. 2019 konnte das DPNW erreichen, dass das Gutachterverfahren für Gruppentherapien abgeschafft wird. Jetzt wehr man sich gegen ein unzumutbares Qualitätssicherungsverfahren, bei dem Patienten nach ihrer Behandlung einen 14seitigen Fragenbogen ausfüllen sollen. Denn auch der Abbau der Bürokratie in den Praxen ist ein wichtiges Verbandsziel. „Wir wollen uns auf unsere Arbeit mit unseren Patienten konzentrieren. Und nicht den ganzen Tag mit einem Gesetzbuch unterm Arm herumlaufen.“ Kommentiert Adler.

„Qualitätssicherung findet bei uns durch Supervision und Qualitätszirkel statt, nicht durch Zettelkram.“

Den Ärger über unpassende Patientenvermittlung durch die Terminservicestellen quittierte das Netzwerk schon sehr früh: man gründete eine eigene Therapieplatzvermittlung.

Das die Netzwerker schnell zupacken können, zeigten sie bei den Flutkatastrophen an der Erft und der Ahr. Hier wurden schnell und unbürokratisch Akutbehandlungen ohne Wartezeit angeboten – mehr als 100 Mitglieder aus dem Ahr- und Erftkreis waren dazu sofort bereit. Und übernahmen auch eine zeitweise eingerichtete Telefonhotline. Und man entwickelte in Zusammenarbeit mit dem Rhein-Eifel-Institut eine spezielle Ausbildung für psychologische Ersthelfer.

An diese Erfahrungen konnten sie beim Beginn des Ukrainekriegs anknüpfen. Hier wurde eine ukrainische Kollegin eingestellt, die bei der Vermittlung von Therapieplätzen an ukrainisch sprechende Kolleginnen und Kollegen half.

Eine neues Augenmerk hat Adler jetzt auf die Gesundheit der eigenen Berufsgruppe. „Immer mehr Kolleginnen und Kollegen steigen wegen Überlastung aus. Kein gutes Zeichen.“ Deshalb hat das DPNW jetzt ein eigenes Konzept zum „Gesundbleiben im Praxisalltag“ entwickelt.

Den Ärger über unpassende Patientenvermittlung durch die Terminservicestellen quittierte das Netzwerk schon sehr früh: man gründete eine eigene Therapieplatzvermittlung.