Was ist Psychotherapie?

 


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Psychotherapie wird häufig als wirksame Hilfe zur Selbsthilfe beschrieben. Sie stützt sich auf wissenschaftlich fundierte Methoden und ist zugleich eine heilsame Begegnung von Mensch zu Mensch. 

Die normale Dauer einer ambulanten Psychotherapie beträgt bis zu 300 Sitzungen á meist 50 min (je nach psychotherapeutischer Richtung sehr unterschiedlich, siehe unten). Die Sitzungsfrequenz nimmt meist im Laufe der Therapie ab, wenn es dem/r Patienten/in besser geht und eigenständig Gelerntes umsetzt.


Viele Menschen haben Angst vor einer Psychotherapie, weil sie nicht wissen, was auf sie zukommt. Das ist natürlich im individuellen Falle immer verschieden, wichtig ist aber, dass man nichts tun oder erzählen muss, was man nicht möchte. Vielmehr geht es darum, innere und äußere Stressoren zu erkennen, Ziele zu definieren und mithilfe therapeutischer Techniken sich auf den Weg zu machen, die eigenen Themen und Probleme anzugehen. Der/Die Therapeut/in hat dabei eine akzeptierende, wohlwollende und empathische Grundhaltung.


Der/Die Therapeut/in ist verpflichtet, über alles was in der Therapie passiert oder gesagt wird, Schweigepflicht zu bewahren und hält auch keine Rücksprache mit anderen Ärzten,  wenn es nicht anders vom Patienten gewünscht/gebilligt ist. 

In der Psychotherapie gibt es verschiedene psychotherapeutische Strömungen, die sich unterschiedlicher Methoden bedienen. Bei allen gesetzlich anerkannten Psychotherapien steht aber ein therapeutisches Gespräch im Vordergrund und die größte Wirkung erzielt dabei methodenübergreifend die Beziehung zwischen Therapeut und Patient.


Bei der Wahl des/r richtigen Psychotherapeuten/in ist also zuallererst darauf zu achten, ob die zwischenmenschliche Chemie stimmt. Schließlich sollte eine so vertrauensvolle Atmosphäre herrschen, dass man mit seinem/r Therapeuten/in intime, persönliche Dinge teilen möchte. Aber keine Sorge, das klappt meist mit ausgebildeten Therapeuten schneller und einfacher als man denkt.  


Die vier "Hauptrichtungen" oder Therapieansätze, die von den gesetzlichen Krankenkassen oder Beihilfestellen bezahlt werden, sind unten kurz beschrieben. Dabei gibt es nicht "die beste" Art, eine Psychotherapie zu gestalten. Vielmehr kommt es darauf an, was man sich für sich selbst am besten vorstellen kann und noch viel wichtiger ist, dass eine vertrauensvolle Beziehung zwischen Therapeut/in und Patient/in besteht.





1.    
Analytische Therapie
Die Analytische Therapie basiert auf der Psychoanalyse nach Sigmund Freud und basiert auf der Annahme, dass der Mensch im Laufe seines Lebens durch die bewussten oder unbewussten Erfahrungen Prägungen erfährt, die für die psychischen Störungen verantwortlich sind. Die Prägungen können sich dabei auf traumatische Erfahrungen, nicht bewältigte Entwicklungsschritte oder innere Konflikte beziehen. Der Patient liegt hier meist auf einem Sofa und der Therapeut sitzt hinter dem Kopf außerhalb des Sichtfelds des Patienten. Die Analytische Therapie ist eine Langzeittherapie und findet mehrmals die Woche statt. In den Therapiesitzungen ist es die Aufgabe des Patienten, alles mitzuteilen, was ihm in den Sinn kommt. Der Therapeut hört aktiv zu, indem er überlegt was die unbewusste Botschaft des Erzählten sein könnte. Gemeinsam werden dann unbewusste Themen und Konflikte erarbeitet, die den Patienten beschäftigen und somit Einsichten, Lern- und Änderungsprozesse angestoßen. Ein wesentlicher Heilfaktor ist die therapeutische Arbeitsbeziehung und die korrigierende emotionale Bindungserfahrung. Die Sitzungen finden maximal dreimal wöchentlich statt, insgesamt gibt es zwischen 160 und 300 Therapiesitzungen. 



2. Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapie
Die Grundidee der tiefenpsychologischen Psychotherapie besteht darin, dass sowohl unsere Vergangenheit und frühere Erfahrungen (die „Tiefe der Zeit“), als auch unser Unbewusstes (die „Tiefe unserer Psyche“) Einfluss auf unser psychisches Erleben und unsere Gesundheit haben. Unbewusste oder verdrängte Erfahrungen, Wünsche, Konflikte oder Ängste werden im therapeutischen Gespräch erkannt und Lösungen für konkrete Probleme erarbeitet. Auch hier sitzt man sich wie in der Verhaltenstherapie gegenüber und bespricht die Themen gemeinsam und auf Augenhöhe, wobei aktive, lösungsorientierte Fragen vom Therapeuten gestellt werden. Die Sitzungen finden über einen Zeitraum von 50 bis 100 Wochen meist ein- bis zweimal wöchentlich statt.

 

 

3.     Verhaltenstherapie
Die Grundidee der Verhaltenstherapie ist, dass störungsbedingtes Verhalten erlernt wurde. Die eingesetzten Methoden zielen also darauf ab, gesunde und angemessene Denkmuster und Verhaltensweisen zu entwickeln oder neu zu lernen. Es geht meist weniger um die Vergangenheit, sondern um das gegenwärtige Erleben und Verhalten des Pateinten. Therapeut und Patient erarbeiten gemeinsam die Problemfelder und Lösungsansätze. Auch innerhalb der Strömungen gibt es noch ganz viele verschiedene Richtungen und Methoden, die je nach Störungsbild angewandt werden. Häufig werden allerdings Denkmuster gemeinsam hinterfragt, kleine Alltagsaufgaben vom Therapeuten gegeben und somit adäquate Denk- und Verhaltensmuster verstärkt. Die Sitzungen finden über einen Zeitraum von 12 bis 60 Wochen meist einmal wöchentlich statt.


4. Systemische Therapie
Die Grundidee der systemischen Therapie besteht darin, dass die Ursache des menschlichen Erlebens und Verhaltens und damit auch von psychischen Störungen nicht in der Person alleine, sondern in der sozialen Umwelt (besonders der Familie) der Person liegt. Bei der Behandlung von psychischen Störungen gucken sich Therapeut und Patient die Beziehungs- und Interaktionsmuster im sozialen Umfeld des Patienten an, wobei die Beziehungspersonen des Patienten nicht unbedingt anwesend sein müssen. Auch hier ist ein großer Teil die Gesprächstherapie, wobei auch metaphorische Techniken (wie z.B. Darstellungen von Beziehungen mithilfe von Standbildern im Raum) eingesetzt werden. Gemeinsame sollen Probleme und dysfunktionale Interaktionsmuster erkannt und Lösungsmöglichkeiten eröffnet werden. Meist gibt es nur sehr wenige Sitzungen pro Therapie mit großem, zeitlichen Abstand. Zwischen den Sitzungen sollen neue Erkenntnisse angewandt werden, weshalb die Systemische Therapie eine große Eigeninitiative des Patienten voraussetzt.